„Wir spannen einfach eine Linie und hängen uns daran.“
Diesen Satz hören Hersteller und Anbieter von Anschlageinrichtungen sehr häufig von potenziellen Kunden, die versuchen, improvisierte Absturzsicherungssysteme zu realisieren.
Dabei existieren klar definierte Anforderungen, die Absturzsicherungssysteme erfüllen müssen. Diese Anforderungen sind in den einschlägigen technischen Normen festgelegt, wie beispielsweise in der EN 795:2012.
Zunächst muss zur Ausrüstung der Anwender ein sogenannter Falldämpfer gehören, der gemäß den Vorgaben der EN 355 konstruiert und hergestellt sein muss. Der Falldämpfer hat die Aufgabe, im Falle eines Sturzes eine maximale Auffangkraft von 600 kg auf den Anwender zu übertragen.
Dadurch werden die Belastungen auf etwa die Hälfte der vom menschlichen Körper tolerierbaren Werte reduziert. Studien der Luftwaffe an Fallschirmspringern haben gezeigt, dass ein menschlicher Körper mit einem Gewicht von 80 kg maximalen Beschleunigungen von 15 g standhalten kann, was einer Kraft von etwa 1200 kg entspricht. Auf dieser Grundlage werden die Festigkeitsanforderungen von Absturzsicherungssystemen unter zwei Bedingungen definiert: dynamisch und statisch.
Nach dem dynamischen Kriterium wird eine maximale Last von 900 kg für einen Anwender bzw. 1200 kg für zwei Anwender angesetzt.
Diese Last kann reduziert werden, wenn das System in der Lage ist, Energie durch kontrollierte plastische Verformungen zu dissipieren. Dadurch wird ein Sicherheitsfaktor von 1,5 für die Betriebsbeanspruchungen gewährleistet.
Zusätzlich wird ein zweites Kriterium, das sogenannte Integritätskriterium, definiert, nach dem das System einer statischen Last von 1200 kg über einen Zeitraum von mindestens 3 Minuten standhalten muss.
Zur Verdeutlichung der auftretenden Kräfte sei erwähnt, dass ein Mittelklassefahrzeug ein Leergewicht von etwa 1200 kg aufweist.
Die Situation wird weiter durch die Kettenlinientheorie verkompliziert, die auf flexible horizontale Anschlageinrichtungen anzuwenden ist. Eine mittig auf ein Seil aufgebrachte Last erzeugt an den Endanschlägen deutlich höhere Kräfte, abhängig von der Durchbiegung (und damit der Seillänge). In Systemen ohne linienintegrierte Falldämpfer können so Belastungen von bis zu 2500 kg auftreten, die anschließend auf die tragende Struktur übertragen werden.
Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich um eine stoßartige Belastung handelt. In den meisten Fällen ist die Struktur in der Lage, diese Kräfte aufzunehmen, auch wenn sie nach einem Sturz mit hoher Wahrscheinlichkeit beschädigt wird und instandgesetzt werden muss. Ein „kleiner“ Preis im Vergleich zur Rettung eines Menschenlebens.
„More effective prevention strategies would save not only tens of billions of dollars, but save tens of thousands of lives… THEY ARE THE DISASTERS THAT DID NOT HAPPEN.”
— Kofi Annan, Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, 1999